
Österreich verlangt Geld für die Gesundheitskarte der Rentner

Erst jahrzehntelang Sozialversicherungsbeiträge bezahlen, dann im Ruhestand auch noch für die eigene Krankenversicherungskarte zur Kasse gebeten werden. Österreich schafft eine bisher geltende Gebührenbefreiung ab und verlangt künftig von rund 1,5 Millionen Rentnern jährlich 26,85 Euro. Das Geld wird automatisch von ihrer Novemberrente abgezogen.
Was in Deutschland die elektronische Gesundheitskarte ist, heißt in Österreich e-card. Sie dient als Nachweis der Krankenversicherung und wird bei Arztbesuchen und in medizinischen Einrichtungen vorgelegt. Ohne diese Karte lässt sich die Krankenversicherung nicht wie gewohnt in Anspruch nehmen. Bislang waren Rentner grundsätzlich von der jährlichen Servicegebühr befreit. Damit ist nun Schluss.
Die neue Regelung betrifft rund 1,5 Millionen Menschen. Ab dem Beitragsjahr 2027 müssen sie jährlich 26,85 Euro bezahlen. Der Betrag wird bereits am 15. November 2026 automatisch von der Pension abgezogen. Die Betroffenen müssen weder eine Rechnung begleichen noch selbst aktiv werden. Auf ihrem Konto kommt schlicht weniger Geld an.

Für die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) ist die Neuregelung eine zusätzliche Einnahmequelle. Rund 40 Millionen Euro sollen dadurch jährlich in die Kassen der Krankenversicherung fließen. Die Regierung begründet den Schritt mit der angespannten finanziellen Lage des Gesundheitssystems. Für die betroffenen Rentner bedeutet er eine weitere Belastung ihres ohnehin oft begrenzten Einkommens.
Die Kritik kommt auch aus den Reihen der Seniorenvertretungen. Ingrid Korosec, Präsidentin des ÖVP-Seniorenbundes, hält die zusätzliche Belastung für problematisch. Die Einnahmen von rund 40 Millionen Euro seien für die Krankenkasse kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Für ältere Menschen könne hingegen jeder Euro zählen.
Auch die Opposition geht mit der Regelung hart ins Gericht. Die Grünen kritisieren, dass Versicherte höhere Beiträge bezahlen und zugleich mit Leistungskürzungen konfrontiert seien. Die FPÖ wirft der Regierung vor, ausgerechnet jene Generation zusätzlich zu belasten, die das Land aufgebaut habe.
Nicht alle Rentner müssen zahlen. Ausgenommen bleiben unter anderem Bezieher einer Ausgleichszulage sowie bestimmte sozial besonders schutzbedürftige Personen, die von der Rezeptgebühr befreit sind. Die bisherige generelle Befreiung für Rentner wird jedoch abgeschafft.
Der politische Streit dreht sich damit um mehr als 26,85 Euro. Die Krankenversicherung gehört zu den grundlegenden Leistungen des Sozialstaates.
Wer sein Leben lang Beiträge entrichtet hat, muss nun im Alter auch noch eine jährliche Gebühr für die Karte bezahlen, mit der er seine Versicherung beim Arzt nachweist.
Für den Staat sind es zusätzliche Millionen. Für 1,5 Millionen Rentner ist es eine neue Rechnung im Ruhestand.
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