
Das Rätsel um Pakistan, Saudi-Arabien, den Jemen und Iran

Von Pepe Escobar
Beginnen wir mit exklusiven Informationen. Am Donnerstag überreichte Yahya Ali al-Rai, Sprecher des in Sanaa ansässigen Repräsentantenhauses unter Ansarallah, Sardar Ayaz Sadiq, dem Sprecher der pakistanischen Nationalversammlung, einen Brief, in dem er Pakistan um Vermittlung zwischen Ansarallah und Riad ersucht. Rai, der weithin respektiert wird, ist seit 2008 Sprecher in Sanaa. Sadiq trat seine derzeitige Amtszeit als Sprecher in Islamabad im März 2024 an.

Dieser direkte parlamentarische Kanal ist als diplomatische Annäherung äußerst bedeutsam – da Pakistan sowohl im Inland als auch in den Ländern der islamischen Welt großem Druck ausgesetzt ist, hinsichtlich seines tatsächlichen Engagements im Konflikt Saudi-Arabiens mit dem Jemen, wie er von der Mekka-Verteidigungsallianz definiert wurde.
So undurchsichtig die gesamte Situation tatsächlich ist, direkte Informationen aus Islamabad und Teheran von höchster Ebene – wie von mir gezielt angefragt – haben vier zentrale Punkte bestätigt:
Islamabad beharrt darauf, dass Pakistan Ansarallah nicht angreifen und keine Truppen zu diesem Zweck entsenden wird
Die Vereinbarung von Riad aus der vergangenen Woche schloss ein Eindringen auf jemenitisches Territorium aus. Pakistanische Streitkräfte sollen bei jeglichen Bodenoffensiven gegen Ansarallah außen vor bleiben. Das scheint der Fall zu sein – fürs Erste.
Pakistan vermittelte bereits über Teheran zwischen Riad und Sanaa
Feldmarschall Asim Munir bat den iranischen Außenminister Araghtschi persönlich, den Einfluss Irans auf Ansarallah zusammen mit Araghtschis Kontakten sowohl zu Islamabad als auch zu Riad zu nutzen. Das pakistanische Außenministerium hat diesen diplomatischen Kanal nicht dementiert.
Pakistan müsste gemäß seinen Verpflichtungen im Rahmen des Mekka-Verteidigungsbündnisses saudisches Territorium verteidigen
Einsätze zum Grenzschutz und zur Verteidigung gegen Drohnen und Raketen, die von den jemenitischen Streitkräften abgefeuert werden, passen in dieses Muster. Das Problem ist, ob bereits pakistanische Berater auf jemenitischem Territorium im Einsatz sind. Wenn Pakistan auch nur wenige "Berater" in Aden und Truppen irgendwo im Norden des Jemen an der saudischen Grenze hätte, würde dies bereits gegen seine Zusagen verstoßen.
Die pakistanischen Streitkräfte sollten in der Lage sein, sich selbst zu verteidigen
Dies ist ein festgelegter Eventualfall, keine Ankündigung von Vergeltungsmaßnahmen. Mindestens ein pakistanischer Offizier wurde in Saudi-Arabien getötet, ohne dass Pakistan Vergeltungsmaßnahmen ergriff. Das zeugt von Zurückhaltung – zumindest vorerst.
Durchfahrt durch die Straße von Hormus: CIPS nutzen und in Rial bezahlen
Auf der breiteren Front zwischen den USA und Iran stützen diplomatische Schritte das, was wir in den letzten Tagen bei Transition Procol berichtet haben. Pakistan ist in der Tat sehr bemüht, den Dialog sowohl mit Riad als auch mit Teheran aufrechtzuerhalten, gleichzeitig in ununterbrochener Koordination mit Peking. Schließlich unterstützt China die pakistanische Vermittlung voll und ganz. Und Araghtschi spricht weiterhin mit Munir, so wie er es auch nach den Gesprächen mit Wang Yi in Peking getan hat.
Unterdessen gibt es an der Washingtoner Front quer durch das politische Spektrum fieberhafte Spekulationen über Vorbereitungen der Trump-Regierung zur Wiederaufnahme des Krieges – einschließlich möglicher Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur und sogar, was ziemlich beunruhigend ist, auf nukleare Ziele. Es gibt noch keine endgültige Entscheidung des hauptverantwortlichen Psychopathen, geschweige denn einen Starttermin. Die unmittelbaren Risiken sind jedenfalls gewaltig.
Die Diplomatie – selbst in Ersatzform – steckt in einer Sackgasse. Teheran hält an seinen bestehenden Bedingungen fest und wird dies auch weiterhin tun, die im "Dead Cat"-Memorandum of Understanding festgelegt sind, bringt nun aber die Drohung mit, Transitrouten entlang der Küste des Omans zu blockieren, die es als illegal betrachtet. Washington seinerseits ist besessen von weitreichenden nuklearen Zugeständnissen.
Zu Beginn dieser Woche haben wir berichtet, dass der Oberste Nationale Sicherheitsrat in Teheran zwei sehr folgerichtige Entscheidungen getroffen hat.
Teheran hat beschlossen, seine Transitgebühren für die Straße von Hormus ausschließlich in iranischer Währung zu erheben. Kein Yuan, kein Krypto. Dies geschieht über einen Mechanismus, der mit CIPS, dem chinesischen Zahlungs- und Abrechnungssystem, verknüpft ist und den US-Dollar umgeht. Sie nutzen CIPS, um elektronisch Yuan zu kaufen, diese in Rial umzutauschen und die Gebühr zu entrichten. Die Einnahmen aus dem Transit durch die Straße von Hormus sind schließlich eine der wenigen verbleibenden Quellen Teherans für harte Währung. Der neue Mechanismus wird den Wert des Rial definitiv stärken.
Über Pakistan teilte Teheran Trumps Immobilien-Bismarck Witkoff mit, dass Iran keinen Zoll von seinen Bedingungen für eine ausgehandelte Einigung abweichen wird – und auf jede mögliche US-Offensive umfassend vorbereitet ist. Und das, nachdem J.D. Vance mit einer zusätzlichen Bedingung zur Urananreicherung daherkam: einer "bedeutenden" und "erheblichen" Reduzierung. Das blockiert die Nuklearfrage und macht eine schnelle Lösungsformel nahezu unmöglich.
Unter dem Strich heißt das, dass die Eskalationsleiter im Handumdrehen außer Kontrolle geraten könnte.
Der aufkommende jemenitische Sturm 1.0 nimmt Gestalt an
An der saudisch-jemenitischen Front gehen die jemenitischen Streitkräfte absolut entschlossen vor. Der aufkommende jemenitische Sturm 1.0 ist bereits im Gange.
Der Schaden an der Raffinerie in Dschidda, nahe Yanbu, ist gewaltig. Ansarallah schlägt gleichzeitig an der Ost- und Westküste Saudi-Arabiens sowie gegen die dazwischenliegende Ost-West-Pipeline zu.
Faktisch zielt Sanaa auf die gesamte wichtige Infrastruktur in Riad ab. Der US-Verteidigungsschirm ist ein Witz: Die verbliebenen PAC-3- und Patriot-Batterien sind gegen jemenitische ballistische Raketen nutzlos.
Die saudischen Truppen zählen bestenfalls 75.000 Mann, dazu kommen 125.000 von der Nationalgarde. Die jemenitischen Streitkräfte befehligen mindestens 350.000 Mann, die leicht auf 800.000 aufgestockt werden können. "Hilfe" von den Ölscheichs des Golf-Kooperationsrats zu erwarten, geht nicht einmal als Scherz durch.
Die jemenitischen Streitkräfte feuerten zudem zwei ballistische Raketen sowie Sprengstoffdrohnen in Richtung des internationalen Flughafens von Aden ab. Ansarallah erklärte, das Ziel seien saudische Militärlieferungen gewesen, die gerade im Badr-Lager, dem Hauptquartier der Söldner neben dem Flughafen, eingetroffen waren. Eine nicht näher genannte Anzahl hochrangiger saudischer Offiziere und Beamter – vielleicht sogar einige Pakistaner – wurden dabei getötet.
Die Türkei ihrerseits ist ebenfalls dabei, Soldaten, Flugzeuge und Luftabwehrsysteme auf saudischem Boden zu stationieren. Diese türkischen Streitkräfte könnten theoretisch Riad, die heiligen Städte und die Ost-West-Pipeline schützen. Genau wie Islamabad betont Ankara, dass es keine Pläne gebe, sich am Krieg innerhalb des Jemen zu beteiligen.
Die rasche Befreiung der Westküste nahe dem Roten Meer durch die jemenitischen Streitkräfte machte zudem glasklar, wie die sogenannte saudische "Koalition" – in Wirklichkeit eine Bande von Söldnern – de facto von Anfang an Terroristen eingesetzte.
Ansarallah stellte eine Fülle ausländischer Pässe sicher – besonders aus Kuwait, Katar, der Türkei und Syrien –, die ISIS- und Al-Qaida-Schlägern gehörten. Nennen Sie es die Terror Inc. Legion.
Es ist das gleiche alte Lied. Katar und die Türkei haben im Einklang den Transfer von ISIS-/salafistisch-dschihadistischen Schlägern aus Syrien und dem Irak instrumentalisiert: Sie wurden im Jemen von der Islah-Partei willkommen geheißen. Die Türkei war die wichtigste Transitroute; mindestens 2.100 dieser ISIS-Kämpfer sind Türken.
Al-Qaida ist auf der arabischen Halbinsel zurück!
Schon im Jahr 2020 hatte Ansarallah Dokumente, Karten und Videos beschlagnahmt, die zeigten, wie Dschihadisten des IS/Daesh und von Al-Qaida – direkt von Riad unterstützt – im Jemen umherstreiften. Festgenommene Schläger gestanden, dass sie von den Saudis bezahlt, bewaffnet und logistisch unterstützt worden waren.
Nun ist bereits eine neue Inkarnation der ehemaligen Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) im Einsatz – in Form von mindestens 20.000 Daesh-/Takfiri-Terroristen, die aus Syrien "importiert" wurden. Sie werden in die Provinz Aden entsandt – entsprechend der Forderung, ja sogar der Anweisung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman selbst, mit voller Zustimmung der Trump-Regierung und ihres zum Präsidenten in Damaskus gewordenen Halsabschneider-Vasallen, des ehemaligen ISIS-Führers Al-Jolani.
Die entscheidende Schlagzeile der ganzen Angelegenheit ist allerdings, dass das Haus Saud Ansarallah angreift, um den Todeskult in Westasien zu schützen.
Indem Ansarallah die Meerenge von Bab al-Mandab kontrolliert, schneidet es den israelischen Hafen Eilat faktisch ab. Das war bereits zuvor während des Völkermords in Gaza geschehen. Riad war außer sich vor Wut, da man Vereinbarungen für das – mittlerweile praktisch aufgegebene – NEOM-Projekt getroffen hatte, das eine Verbindung nach Eilat herstellen sollte, sobald die von Trump initiierten Abraham-Abkommen in Kraft getreten wären und funktioniert hätten.
Wenn man das Gesamtbild betrachtet, könnte aufgrund eines einzigen Funkens immer noch die Hölle losbrechen. Hierzu zählen unter anderem: ein jemenitischer Angriff auf Saudi-Arabien mit hohen Opferzahlen; ein Chaos bei der Mautdurchsetzung in der Straße von Hormus; ein iranischer Angriff auf ein Zielobjekt eines Ölscheichs des Golf-Kooperationsrates als Reaktion auf eine US-Provokation; ein mit Iran in Verbindung stehender Angriff auf einen Militärstützpunkt der USA, ebenfalls aufgrund einer US-Provokation; und vor allem ein vom Soziopathen im Weißen Haus erzwungenes (und fehlschlagendes) CENTCOM- Abenteuer zu Land, zu Wasser und in der Luft.
Schnallen Sie sich an.
Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín
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