Meinung

Israel kritisieren leicht gemacht – Achten Sie auf die richtige Formulierung!

Der aufmerksame Beobachter reibt sich verwundert die Augen. Hört er doch täglich, dass es voll in Ordnung ist, den israelischen Staat zu kritisieren. Tut er aber dann genau das, ist er ruckzuck Antisemit. Um dieser Falle zu entgehen, sei hier die einzig richtige Art vorgestellt, Israel zu kritisieren.
Israel kritisieren leicht gemacht – Achten Sie auf die richtige Formulierung!Quelle: Legion-media.ru © https://www.legion-media.ru/item/en/1/603675146.162

Glosse von Tom J. Wellbrock

Sicher kennen Sie das: Die Sofa-Selbstverteidiger Israels machen Ihnen ein Angebot, das Sie unmöglich ablehnen können. Sie gewähren Ihnen die Erlaubnis, Israel zu kritisieren. Super, denken Sie sich, da gibt es schließlich einiges. Und in einer Demokratie ist es ja selbstverständlich, Kleinigkeiten wie Kindermorde, methodisches Aushungern und massenhafte Vertreibung derart zu kommentieren, dass das Dinge sind, die irgendwie nicht so schön sind. Doch ganz so einfach ist das nicht.

Legen wir also los mit der kleinen Anleitung für die richtige und garantiert antisemitismusfreie Kritik an Israel. Sagen Sie nicht:

"Das Morden im Gazastreifen muss aufhören!"

Sagen Sie stattdessen: "Israel muss sich weiter verteidigen können. Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung. Wenn die Hamas Kinder als Schutzschilde benutzt, ist es nur fair, auf die Kinder zu schießen. Die Hamas ist schuld daran. Die Kinder sind nicht unschuldig, sie könnten ja auch einfach im Kinderzimmer mit Zinnsoldaten spielen, statt mit der Hamas abzuhängen"

Sagen sie nicht:

"Israel hat eine rechtsradikale (wahlweise auch: faschistische) Regierung."

Sagen Sie stattdessen: "In der israelischen Regierung sitzen auch ein paar ziemlich rechte Typen. Die haben aber nix zu melden, und wenn diese Leute sagen, man solle alle Palästinenser einfach ins Meer treiben, ist das nicht böse gemeint. Außerdem: Was ist daran falsch, ein bisschen im Meer zu plantschen?"

Sagen Sie nicht:

"Israel ist ein Apartheidsregime."

Sagen Sie stattdessen: "Israel lebt in friedlicher Nachbarschaft mit den Palästinensern. Man grüßt sich morgens, leiht sich hin und wieder eine Tasse Zucker und mäht sonntags keinen Rasen, um die verdiente Ruhe der Nachbarn nicht zu stören. Wenn es mal Ärger gibt und jemand aus seinem Haus vertrieben, von seinem Grundstück entfernt oder seines Lebens beraubt wird, dann trifft das ausnahmslos Terroristen."

Damit sind die wichtigsten Möglichkeiten, Israel für seine mörderische Politik zu kritisieren, genannt. Sie lassen sich als Textbausteine mit nur wenigen Umformulierungen auch auf andere Kritikpunkte erweitern. In jedem Fall muss Ihnen klar sein, dass Sie von Haus aus ein Antisemit sind, wenn Sie Israel nicht bedingungslos unterstützen und so richtig abfeiern.

Wenn Sie begreifen, dass massenhafter Mord in Ordnung ist, wenn er von Israel begangen wird, sind Sie im Grunde auf der sicheren Seite. Sollte es Ihrerseits aber doch noch die eine oder andere Frage geben, folgen Sie am besten der Argumentation von Julian Reichelt, Journalist, Philosoph, Historiker und geopolitisches Genie vor dem Herrn. Wenn Sie Reichelts schlüssige Argumentation erst verinnerlicht haben, wissen Sie auch, was Sie von diesem völlig bescheuerten Haftbefehl gegen Benjamin Netanjahu halten müssen.

Tom J. Wellbrock ist Journalist, Sprecher, Texter, Podcaster, Moderator und Mitherausgeber des Blogs neulandrebellen.

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