Deutschland

Hunderte ukrainische Soldaten fliehen aus deutschen Trainingslagern und beantragen Asyl

Deutschland hat seit 2022 rund 29.000 ukrainische Soldaten ausgebildet. Doch mehrere Hundert kehren offenbar nicht in die Ukraine zurück. Sie verlassen die Trainingslager und beantragen in Deutschland Asyl. Allein in Sachsen-Anhalt sind rund 80 Fälle bekannt.
Hunderte ukrainische Soldaten fliehen aus deutschen Trainingslagern und beantragen AsylQuelle: Gettyimages.ru © Jens Büttner

Deutschland hat seit 2022 rund 29.000 ukrainische Soldaten für den Krieg ausgebildet. Doch offenbar wollen längst nicht alle von ihnen zurück an die Front. Nach Recherchen der Schweizer Zeitung 20 Minuten haben sich mehrere Hundert ukrainische Soldaten während ihrer Ausbildung in Deutschland abgesetzt und anschließend Asyl beantragt. Die Fälle werfen ein Schlaglicht auf die wachsende Kriegsmüdigkeit und die persönliche Lage vieler Ukrainer, die sich einer Rückkehr an die Front entziehen wollen.

Allein im Bundesland Sachsen-Anhalt sind demnach rund 80 Fälle bekannt. Bundesweit soll die Zahl der ukrainischen Soldaten, die aus Ausbildungseinrichtungen geflohen sind und einen Asylantrag gestellt haben, bei mehreren Hundert liegen.

Die Ukrainer befinden sich dabei in einer besonderen rechtlichen Situation. Weil sie sich ursprünglich offiziell zur militärischen Ausbildung in Deutschland aufhielten, können sie nicht einfach die vereinfachten Aufnahmeverfahren nutzen, die für viele ukrainische Kriegsflüchtlinge gelten. Stattdessen müssen sie ein reguläres Asylverfahren durchlaufen.

Nach Schweizer Asylpraxis kann die Verweigerung des Militärdienstes unter bestimmten Voraussetzungen bei der Prüfung eines Asylgesuchs berücksichtigt werden. Dabei wird insbesondere geprüft, ob einer Person bei einer Rückkehr eine unverhältnismäßige Bestrafung oder Verfolgung droht.

In Deutschland bietet das Asylverfahren den Männern zumindest vorübergehend Schutz vor einer Rückkehr in die Ukraine. Die Prüfung eines Asylantrags kann sich über längere Zeit hinziehen und in einzelnen Fällen mehr als ein Jahr dauern.

Für eine Anerkennung müssen die Ukrainer darlegen, dass ihnen bei einer Rückkehr eine konkrete Gefahr oder politische Verfolgung droht. Die Hürden für einen erfolgreichen Asylantrag sind entsprechend hoch.

Eine Rückkehr kann für die Ukrainer dennoch erhebliche Konsequenzen haben. Wer sich unerlaubt von seiner Einheit entfernt oder desertiert, muss in der Ukraine mit strafrechtlichen Konsequenzen und mehrjährigen Haftstrafen rechnen. Solange in Deutschland ein Asylverfahren läuft, erscheint eine Auslieferung der Ukrainer an die Ukraine allerdings wenig wahrscheinlich.

Unter den Fällen ist auch ein Ukrainer, der direkt vom Truppenübungsplatz Altengrabow in Sachsen-Anhalt floh. Weitere Soldaten, die ihre Ausbildung verlassen haben, berichten von unterschiedlichen Beweggründen. Einige nennen Konflikte mit Vorgesetzten oder eine schlechte Behandlung innerhalb der Armee. Andere wollen zu Angehörigen gelangen, die bereits in Europa leben.

Deutschland gehört seit Beginn des Krieges zu den wichtigsten Unterstützern der ukrainischen Armee bei der militärischen Ausbildung. Zehntausende ukrainische Soldaten haben dort inzwischen verschiedene Ausbildungsprogramme durchlaufen, wie die Schweizer Zeitung 20 Minuten berichtet.

Dass einige von ihnen bereits während der Ausbildung oder nach deren Abschluss nicht an die Front zurückkehren, verweist nicht nur auf die schwierige persönliche Lage vieler ukrainischer Soldaten, sondern auch auf die wachsenden Zweifel an einem Sieg des Kiewer Regimes in diesem Krieg.

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