
Auch wenn es Brüssel nicht passt: Norwegen will Öl- und Gasförderung in Arktis ausweiten

Oslo wird seine Öl- und Gasvorkommen in der Barentssee erschließen, auch wenn die EU an ihrem Verbot neuer Bohrungen in der Arktis festhält. Das kündigte Norwegens Energieminister Terje Aasland in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters an.
Die EU unterstützt aus Umweltgründen bislang ein Verbot neuer Bohrungen in der Arktis, prüft ihre Position derzeit aber im Rahmen einer neuen Arktisstrategie. Am Moratorium für Öl, Gas und Kohle in der Arktis halte die EU bislang fest, teilte eine Sprecherin der EU-Kommission mit.
Die Barentssee gilt als eines der artenreichsten Meeresgebiete der Erde. Ein Bündnis aus Umweltverbänden, darunter der WWF, Greenpeace und der norwegische Naturvernforbundet, appellierte daher an die EU, am Moratorium festzuhalten. WWF-Generalsekretärin Karoline Andaur bezeichnete es als peinlich, dass Norwegen gegenüber Brüssel als Öllobbyist auftrete.

Aasland verwies dagegen auf das souveräne Recht Norwegens, die Ressourcen zu erschließen. In der gegenwärtigen geopolitischen und sicherheitspolitischen Lage sei eine weitere Förderung in der Barentssee im Interesse Norwegens und Europas, argumentierte der Energieminister. Oslo werde diese Gebiete erschließen, und dann sei es Sache der EU, ob sie ein Moratorium auf den Kauf dieses Gases oder Öls verhänge, sagte er Reuters.
Arktisches Öl lasse sich ohnehin auf dem Weltmarkt absetzen, Gas könne als Flüssigerdgas weltweit exportiert werden, fügte Aasland hinzu.
In der Barentssee werden laut Behördenangaben rund 63 Prozent aller noch nicht erschlossenen Öl- und Gasvorkommen Norwegens vermutet. Allein im südlichen Teil des Randmeers des Arktischen Ozeans werden die Erdgasvorkommen auf über 600 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Bislang wird dort in drei Feldern Gas gefördert.
Seit Brüssel auf russisches Gas weitgehend verzichtet, ist Norwegen der größte Gaslieferant Europas, der rund 30 Prozent des Bedarfs der EU und Großbritanniens abdeckt. Sollten keine neuen Vorkommen erschlossen werden, wird die norwegische Produktion laut offiziellen Prognosen nach 2030 stark zurückgehen.
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