
Gaza: UN streichen Lebensmittelhilfe für 500.000 Menschen

Bis zu 2,4 Millionen Menschen leben im rund 360 Quadratkilometer großen Gazastreifen. Die meisten von ihnen sind auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Eine prekäre Situation, die sich durch eine heute verkündete Hiobsbotschaft noch verschlimmern dürfte: Das Welternährungsprogramm WFP der Vereinten Nationen, die größte Organisation, die die Nahrungsmittelhilfe im Gazastreifen verteilt und organisiert, hat Probleme bei der Finanzierung der Versorgung mit Lebensmitteln. Das bisherige Hilfsniveau lässt sich nicht aufrechterhalten.
Das hat konkrete Folgen für die rund 1,6 Millionen Menschen, die das WFP jeden Monat mit Lebensmittelpaketen, Weizenmehl, Brot, warmen Mahlzeiten, Unterstützung bei Mangel- und Unterernährung, Schulmahlzeiten, Bargeldhilfe und Nahrungsmitteln unterstützt.

Das WFP muss ab dem Monat Oktober seine Unterstützungsleistungen in der Ernährungshilfe um ein Drittel kürzen. Das heißt: 500.000 Menschen erhalten gar nichts mehr. Ob die ebenfalls in Gaza tätige Hilfsorganisation Palästinensischer Roter Halbmond einspringen kann, um die Lücke zu schließen, bleibt fraglich.
Auch die restlichen 1,1 Millionen Gaza-Bewohner, die ab jetzt noch WFP-Unterstützung erhalten, sind von den Sparmaßnahmen bei der Lebensmittelversorgung betroffen. Denn die Lebensmittelrationen wurden um die Hälfte gekürzt. Familien erhalten nur noch ein Lebensmittelpaket statt bisher zwei. Auch die Ration Weizenmehl wurde verkleinert.
Das WFP stellt auch warme Mahlzeiten zur Verfügung. Bisher waren es 250.000 Portionen pro Tag, nun sind es nur noch 150.000. Die Fahrten in schwer erreichbare Gebiete, zum Beispiel im Bereich der "Gelben Linie", die der israelischen Militärkontrolle unterliegt, werden reduziert. Die dortigen Hilfsbedürftigen erhalten nur noch jeden zweiten Tag eine warme Mahlzeit. Bisher war das täglich der Fall. Auch die Bargeldhilfe für 75.000 Familien musste eingeschränkt werden. Von den Kürzungen ist ebenfalls das von Israel besetzte Westjordanland betroffen.
Die Hilfsorganisation beklagt, dass die Einsparungen die bisherigen leichten Verbesserungen der Ernährungssituation im Gazastreifen wieder zunichte machen könnten. Hatten – so die Informationen des Welternährungsprogramms – Ende 2025 noch 1,6 Millionen Menschen im Gazastreifen an Hunger gelitten, sind es derzeit 1,4 Millionen – eine Zahl, die sich nun wieder erhöhen könnte. Auch ohne die jetzt notwendig gewordene Kürzung sei die dortige Lebenssituation fragil. Dazu komme, dass aufgrund des herannahenden Winters zusätzliche Mittel vonnöten seien, um die Hilfe aufrechtzuerhalten.
Dem WFP zufolge bräuchte es dringend 450 Millionen US-Dollar, um die bisherigen Maßnahmen für die nächsten sechs Monate in Gaza und im Westjordanland aufrechtzuerhalten. Allerdings hat die Organisation im Jahr 2026 im Vergleich zu den Vorjahren weniger als die Hälfte der für die Finanzierung des Palästina-Einsatzes nötigen Mittel erhalten. Informationen der Deutschen Presse-Agentur zufolge sind es vor allem die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland, die ihre Hilfen seit dem Jahr 2025 drastisch gekürzt haben.
Israel beurteilt die Lage im Gazastreifen anders. Der militärischen Dienststelle COGAT zufolge, die den Lastverkehr in das Palästinensergebiet kontrolliert, ist Gaza geradezu "überflutet mit humanitärer Hilfe und Lebensmittelversorgung." Zusammen mit UN-Agenturen, Hilfsorganisationen und privaten Geldgebern bemühe man sich darum, den Gazastreifen winterfest zu machen.
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