Russische Behörden setzen Pawel Durow auf Liste der Terroristen und Extremisten

Russische Behörden haben den Telegram-Gründer Pawel Durow offiziell auf die Liste der Terroristen und Extremisten gesetzt – einen Tag, nachdem der FSB seine internationale Fahndung eingeleitet hatte.

Die russische Finanzaufsichtsbehörde Rosfinmonitoring hat Pawel Durow auf die Liste der Terroristen und Extremisten aufgenommen. Das geht aus einer Mitteilung auf der Webseite der Behörde hervor. Im entsprechenden Eintrag heißt es:

"Durow Pawel Walerjewitsch, geboren am 10.10.1984 in Leningrad."

Personen und Organisationen, die auf dieser Liste stehen, ist es untersagt, mit Medien zu interagieren, Informationen im Internet zu veröffentlichen, öffentliche Veranstaltungen zu organisieren, an Wahlen teilzunehmen sowie Finanzdienstleistungen in Anspruch zu nehmen, die nicht die Zahlung von Steuern, Gehältern oder Schadenersatz betreffen.

Am Vortag hatte der russische Inlandsgeheimdienst FSB mitgeteilt, dass der Telegram-Gründer international zur Fahndung ausgeschrieben werde. Ihm wird in einem Strafverfahren Beihilfe zu terroristischer Tätigkeit vorgeworfen.

Laut Angaben der Behörde hat die Telegram-Administration Kanäle nicht gelöscht, die von ukrainischen Geheimdiensten zur Vorbereitung von Terroranschlägen und Massentätungen genutzt worden seien. Konkret sei dabei unter anderem der Dating-Dienst Daiwintschik im Spiel gewesen. Der Name ist ein russisches Wortspiel aus der englischen Phrase "dive in", dem Nachnamen Da Vinci und der russischen Phrase "gib ein Weinchen".

Nach Angaben des FSB haben sich ukrainische Geheimdienstler über den Chatbot als junge Frauen ausgegeben, ihre Opfer zu angeblichen Treffen in großen Einkaufszentren oder in der Nähe von sozial wichtigen Objekten eingeladen und für sie über Phishing-Links angebliche Geschenke erworben, woraufhin die Opfer ihre Geolokation als "Treffpunkt" übermittelt hätten. Anschließend habe man sich bei ihnen im Namen russischer Strafverfolgungsbehörden oder von Rosfinmonitoring gemeldet und ihnen weisgemacht, das Geld sei auf Konten der ukrainischen Streitkräfte eingegangen und die übermittelten Koordinaten seien vom Gegner für Angriffe genutzt worden.

Nach dieser psychologischen Einwirkung seien die betroffenen Bürger zur Teilnahme an Angriffen auf Sicherheitskräfte sowie zu Brandanschlägen auf Objekte des Verkehrs-, Energie- und Kommunikationswesens angeworben worden. Seit Juli vergangenen Jahres habe der FSB in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium und dem Ermittlungskomitee 46 Russen im Alter von zwölf bis 22 Jahren in 16 Gebieten festgenommen. Gegen diejenigen, die das Alter der Strafmündigkeit erreicht hätten, seien Anklagen erhoben und Zwangsmaßnahmen verhängt worden. Die von ihnen begangenen Straftaten hätten zahlreiche Opfer gefordert, darunter auch Frauen und Kinder, sowie einen Schaden in mehrfacher Milliardenhöhe verursacht, betont die Behörde.

Experten zufolge betrifft die gegen Durow erhobene Anklage nicht Telegram selbst oder dessen Nutzer, da laut russischem Recht kein direkter Zusammenhang zwischen dem Strafverfahren gegen den Gründer und dem Status der Plattform besteht. Sollten sich die Vorwürfe künftig auch auf den Dienst ausweiten, könnte Telegram als unerwünschte oder extremistische Organisation eingestuft werden.

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