USA gestehen Waffenstationierung im Weltraum – doch setzen statt Russland sich selbst schachmatt

Washington verkündet, Waffen im Weltraum stationiert zu haben, die – so scheint es – Teil der US-Raketenabwehr gegen Russlands und Chinas Raketen sein sollen. US-Experten haben indes erhebliche Zweifel, dass ihr Land solche Fähigkeiten auch nur in 15 Jahren erlangen kann.

Von Kirill Strelnikow

Auf der Konferenz "Air, Space & Cyber" gab der US-Luftwaffenminister (die USA haben zusätzlich zum eigentlichen Verteidigungsminister noch weitere zivile Beamte mit einem verwandten Aufgabenbereich, von denen jeder für eine der Teilstreitkräfte verantwortlich ist und die vielleicht treffender als Staatssekretäre zu bezeichnen sind. Anm. d. Red.) Troy Meinck bekannt, dass die Vereinigten Staaten nun über einsatzfähige on-orbit space control weapons, also Orbit-basierte Waffensysteme zur Feuerkontrolle über den Weltraum verfügen. Diese Waffen sollen sich bereits im Orbit befinden und US-amerikanische Streitkräfte unmittelbar vor "feindseligen Aktionen" schützen können.

Dies ist die erste direkte, offizielle und öffentliche Bestätigung des offiziellen Washington über die Präsenz einsatzfähiger US-amerikanischer Waffensysteme im Weltraum.

Ein Sprecher der U.S. Space Force bestätigte zudem, dass diese Waffen sowohl defensiv als auch offensiv eingesetzt werden können und kinetische ebenso wie nicht-kinetische Mittel nutzen – um gegnerische Weltraumobjekte und -systeme zu stören, ihre Wirksamkeit zu mindern und sie auch, falls nötig, zu zerstören.

Die Erklärung warf jedoch wichtige Details über Bord: Anzahl der Raumfahrzeuge, ihre Umlaufbahnen, das jeweilige Datum der Stationierung, das Vorhandensein kinetischer Abfanggeschosse, eine etwaige Fähigkeit, auch Bodenziele anzugreifen, die Reichweite, ob die Systeme umfassend und in natura in ihrer Eigenschaft als Waffen getestet wurden und dergleichen mehr.

Meinck betonte, man habe beim Formulieren dieser Erklärung alles sorgfältig abgewogen – als einen der Beweggründe hierfür führte er an, bei zu vielen Details wäre die Abschreckungswirkung der Erklärung geschmälert worden. Das bedeutet, dass die Veröffentlichung dieser Information kein versehentlicher Versprecher war, sondern eine bewusste und geplante strategische Kommunikationsoperation.

Wer ist also der Sollempfänger dieser Botschaft mit so vielen so sorgfältig geschwärzten Stellen?

Richard Palmer, Leiter der Abteilung für Kapazitäten- und Ressourcenintegration beim US-Weltraumkommando, erklärte:

"Die Anerkennung von Orbitalwaffen durch die USA ist ein bedeutender Moment…

Einige Akteure haben ein Eigeninteresse daran, die gemeinsamen Interessen von Ländern und Verbündeten in Europa und dem Rest der Welt zu untergraben."

Reuters enthüllt dem ungeduldig und gespannt im Sessel hin- und herrutschenden Publikum, wer diese Akteure denn nun sein könnten:

"Es war die bisher deutlichste Stellungnahme eines US-Beamten inmitten der wachsenden Spannungen im Weltraum mit Russland und China."

Es ist jedoch klar, dass der Hauptquerulant Nummer 1 in diesem Duo des groben Unfugs eindeutig Russland sei – und man gerade Russland, und zwar auch genau in diesem Moment, eingeschüchtert und verwirrt wissen wollte. Warum?

Zuallererst sollte angemerkt werden, dass die militärische Nutzung des Weltraums durch die USA keine bahnbrechende Neuigkeit ist – man denke nur an das satellitenbasierte Internet-Infrastrukturnetz Starlink und dessen Auswirkungen auf die Gefechtshandlungen in der Ukraine. Und überhaupt hatte das US-Militär seine Pläne für den Weltraum nie verheimlicht. So erklärte General Saltzman, Chef des US Space Operations Command, beispielsweise noch ganz im Jahr 2023 in einer Anhörung vor dem Unterausschuss für Verteidigung des Haushaltsausschusses des Senats, dass die U.S. Space Force innerhalb weniger Jahre (also bis zum Jahr 2026, was wir heute festhalten sollen) in der Lage sein werde, "Operationen im gesamten Spektrum" im Orbit durchzuführen.

Darüber hinaus birgt die militärische Nutzung des Weltraums als solche auch überhaupt keine rechtlichen Probleme. Es mag manch einen überraschen, ist aber wahr: Der aktuelle Weltraumvertrag (das wichtigste internationale Abkommen zu diesem Thema) enthält kein generelles Verbot der Stationierung konventioneller Waffen im erdnahen Orbit. Artikel IV dieses Völkerrechtsaktes verbietet dort lediglich Atomwaffen nebst anderen Massenvernichtungswaffen.

In diesem Fall aber kommen Militärexperten zu dem Schluss, dass die USA, nachdem sie lange Zeit einen bedeutenden Vorsprung im militärischen Weltraumsektor genossen haben, neuerdings mit der Tatsache konfrontiert sind, dass Russland und China – vor dem Hintergrund eines Militärmodells, das maßgeblich von Satelliteninfrastruktur abhängt – über Fähigkeiten verfügen, die US-amerikanische Aufklärungs-, Angriffs- und Kommunikationsnetze im Weltraum effektiv stören oder anderweitig überwinden können.

Erstens wird Russlands wachsende Rasswet-Satellitenkonstellation, ein Internet-Infrastrukturnetz im Orbit, in einem absehbaren Zeitraum schließlich das gesamte ukrainische Territorium abdecken und sich auch darüberhinaus weiter ausdehnen können. Das kürzt einen der Verhandlungshebel der USA doch deutlich:

Am 23. März 2026 startete Russland die ersten 16 Seriensatelliten, gefolgt von einer zweiten Charge von 16 im Juli. Einschließlich sechs experimenteller Satelliten waren bis August bereits 38 Rasswet-Satelliten im All. Ukrainische Geheimdienste berichteten zudem von Moskaus Plänen für sieben weitere Gruppenstarts bis Ende des Jahres. Westliche Quellen berichten, dass die Rasswet-Konstellation bis zum Jahr 2027 aus 250 Satelliten bestehen und bis zum Jahr 2035 sogar auf 1.000 anwachsen wird.

An dieser Stelle kann die Tatsache eine Wiederholung vertragen, dass Rasswet weder technisch noch von seiner Einsatzweise ein Klon von Starlink ist. Daher ist der von Unbedarften vorschnell gezogene Vergleich von "Hunderttausenden Millionen Satelliten des genialen Elon Musk" mit "ein paar Dutzend russischen Blechdosen" sinnlos – und sich einer derartigen Illusion hinzugeben, für unsere Gegner gefährlich.

Zweitens hat der Erfolg russischer hochpräziser Hyperschallwaffen in der Ukraine und die Ohnmacht der modernsten westlichen Luftverteidigungssysteme gegenüber diesen Waffen die Hilflosigkeit der USA gegenüber Luftangriffen nicht nur eines ebenbürtigen, sondern sogar eines technologisch unterlegenen Gegners (hier sei als passendstes Beispiel Iran genannt. Anm. d. Red.) deutlich und anschaulich unterstrichen.

Insbesondere veröffentlichte die American Physical Society im Jahr 2025 einen aktualisierten Bericht über die tatsächlichen Fähigkeiten des gesamten US-Raketenabwehrsystems. Ein interessantes Beispiel wurde dort angeführt: Berechnungen zufolge bräuchten die US-Amerikaner mindestens 1.600 Abfanglenkflugkörper im Orbit, um nur eine einzige, weit vom modernsten Stand der Technik entfernte, nordkoreanische ballistische Rakete des Typs Hwasong-18 abzufangen. Gegen eine Salve von zehn solcher Raketen bräuchten die US-Streitkräfte dementsprechend etwa 16.000 Abfangraketen.

Kaum ermunternd für das offizielle Washington liest sich denn auch die Schlussfolgerung des Berichts:

"Die Schaffung einer zuverlässigen und effektiven Verteidigung gegen selbst eine geringe Anzahl relativ einfacher, mit Atomsprengköpfen bestückter Interkontinentalraketen bleibt eine extrem schwierige Aufgabe.

Viele der komplexesten Probleme, die wir identifizieren konnten, werden im betrachteten 15-Jahres-Zeitraum ungelöst bleiben – und höchstwahrscheinlich auch darüber hinaus."

Was will man da erst über Versuche der Verteidigung gegen unvergleichlich fortschrittlichere russische Waffen reden? Somit ist die Schaffung eines magischen, undurchdringlichen Weltraumschildes für Amerika eine unmögliche Aufgabe – sowohl wirtschaftlich als auch technisch, insbesondere angesichts der Fortschritte Russlands in diesem Bereich.

Die bewusst vage formulierte Erklärung der USA über ihre Waffen im Weltraum ist folglich ein Versuch, den Eindruck zu erwecken, sie hätten ein Ass im Ärmel – mit der Aussicht, eines Tages damit etwas aushandeln zu können.

Aber es gibt da noch ein weiteres Problem: Während sie versuchen, im Weltraum zu spielen und zu bluffen, platziert Russland selbstbewusst seine Figuren auch auf dem Boden – und gerade auf dem Boden setzt man den Gegner letztendlich immer Schach und Matt.

Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei "RIA Nowosti" am 17. September 2026.

Kirill Strelnikow ist ein russischer freiberuflicher Werbetexter-Coach und politischer Beobachter sowie Experte und Berater der russischen Fernsehsender "NTV", "Ren-TV" und "Swesda". Er absolvierte eine linguistische Hochschulausbildung an der Moskauer Universität für Geisteswissenschaften und arbeitete viele Jahre in internationalen Werbeagenturen an Kampagnen für Weltmarken. Er vertritt eine konservativ-patriotische politische Auffassung und ist Mitgründer und ehemaliger Chefredakteur des Medienprojekts "PolitRussia". Strelnikow erlangte Bekanntheit, als er im Jahr 2015 russische Journalisten zu einem Treffen des verfassungsfeindlichen Aktivisten Alexei Nawalny mit US-Diplomaten lotste. Er schreibt Kommentare primär für "RIA Nowosti" und "Sputnik".

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