Weltweite Dieselknappheit eröffnet Chancen für Indiens Raffinerien

Indien baut seine Raffineriekapazitäten aus und könnte 2027 mehr Diesel exportieren. Die Projekte sollten ursprünglich den wachsenden Eigenbedarf decken. Doch Ausfälle russischer und nahöstlicher Lieferungen eröffnen den Unternehmen nun zusätzliche Absatzchancen.

Von Zoya Hussain

Indiens seit Langem geplante Raffinerieerweiterungen könnten das Land 2027 zu einem noch größeren Diesellieferanten machen. Gleichzeitig haben Störungen bei russischen und nahöstlichen Lieferungen den indischen Raffineriebetreibern eine unerwartete Exportchance eröffnet.

Staatliche Raffineriebetreiber wollen ihre jährlichen Produktionskapazitäten für Diesel im kommenden Jahr um 16,5 Millionen Tonnen ausbauen, erklärten Unternehmensvertreter am Dienstag auf einer Branchenkonferenz in Goa. Ursprünglich sollten die Projekte den wachsenden Kraftstoffbedarf Indiens decken. Sie waren keine Reaktion auf die derzeitige weltweite Dieselknappheit.

"Der Ausbau orientiert sich am gesamten Produktportfolio, doch die Chance liegt beim Diesel", sagte Mukesh Sahdev, Gründer und leitender Ölanalyst von XAnalysts, gegenüber RT.

Warum ist Diesel weltweit knapp, obwohl die Ölnachfrage sinkt?

Der Krieg zwischen den USA und Iran hat die Kraftstofflieferungen aus dem Nahen Osten beeinträchtigt. Zugleich haben Angriffe auf russische Raffinerien und Exportbeschränkungen die Lieferungen eines weiteren wichtigen Produzenten verringert. Diesel treibt Fahrzeuge, Fabriken und landwirtschaftliche Maschinen an. Seine Verknappung trägt maßgeblich zum gegenwärtigen Preisanstieg bei und macht Energie für viele zunehmend unbezahlbar.

Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) und des Energy Institute sank das weltweit verfügbare Angebot an Diesel und Gasöl im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,7 Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht etwa dem Zweieinhalbfachen des täglichen Dieselverbrauchs Japans im vergangenen Jahr.

Die Großhandelspreise für Diesel überschritten im September die Marke von 200 US-Dollar je Barrel und lagen damit fast doppelt so hoch wie vor dem Krieg. In Europa und den USA erreichten sie laut IEA rund 220 US-Dollar.

Die Knappheit hält nach Angaben der Agentur trotz der insgesamt schwächeren Ölnachfrage an, da der Dieselverbrauch vergleichsweise stabil geblieben und die Lagerbestände gesunken seien. Am 15. Oktober vereinbarten die IEA-Mitglieder, die Freigabe ihrer Notfallreserven zu beschleunigen. Dazu gehören mehr als 20 Millionen Barrel Diesel.

Wie können indische Raffineriebetreiber davon profitieren?

Die Indian Oil Corporation, der größte Raffineriebetreiber des Landes, erwartet durch ihre Erweiterungen eine zusätzliche jährliche Dieselproduktion von rund acht Millionen Tonnen. Die neue Rajasthan-Raffinerie der Hindustan Petroleum Corporation soll im kommenden Jahr drei Millionen Tonnen produzieren. Die erweiterte Numaligarh-Raffinerie im Bundesstaat Assam wird weitere drei Millionen Tonnen beisteuern, berichtete Reuters.

Die Bharat Petroleum Corporation plant eine zusätzliche Jahresproduktion von 1,5 Millionen Tonnen. Insgesamt soll Indiens Raffineriekapazität bis 2030 von jährlich 267 Millionen auf 300 Millionen Tonnen steigen.

Schon heute produziert das Land mehr Diesel, als es verbraucht. Von April bis September stellten die Raffinerien rund 59 Millionen Tonnen her, während der Inlandsverbrauch bei etwa 46 Millionen Tonnen lag. Das geht aus Daten des Ölministeriums hervor, auf die sich Bloomberg beruft.

Die zusätzlichen Mengen kämen in einer Phase weltweiter Knappheit auf den Markt. Dadurch entstehe eine Geschäftschance für Projekte, die ursprünglich auf den indischen Kraftstoffbedarf ausgerichtet gewesen seien, erklärte Prashant Vasisht, leitender Vizepräsident von ICRA, gegenüber RT.

Russisches Rohöl passt besonders gut

Neue Raffineriekapazitäten allein garantieren noch keine höhere Dieselproduktion. Die Raffinerien benötigen geeignetes Rohöl. Zugleich begrenzt ihre technische Ausstattung den Anteil, der sich daraus zu Diesel verarbeiten lässt, erläuterte Vasisht.

"Indische Raffinerien erhalten auch Rohöl in der richtigen Qualität", sagte Sahdev. Russische und irakische Sorten sowie schwerere venezolanische Rohöle seien geeignete Ausgangsstoffe für die Dieselproduktion.

Russisches Rohöl sei "für das indische Raffineriesystem von Natur aus gut geeignet", fügte er hinzu. Die neue Rajasthan-Raffinerie kann die russische Sorte Urals und die irakische Sorte Basrah verarbeiten, berichtete S&P Global im Juli.

Indiens Abhängigkeit von russischem Rohöl sei auch deshalb gewachsen, weil die Förderung traditioneller Lieferanten in Malaysia und Westafrika zurückgegangen sei, erklärte Sahdev.

Kann Indien die weltweite Versorgungslücke schließen?

Nach Angaben des Datenanalyseunternehmens Kpler ist Indien bereits nach den USA der zweitgrößte Exporteur von Diesel auf dem Seeweg. Im September erreichten die Ausfuhren 596.000 Barrel pro Tag. Der Durchschnitt seit Jahresbeginn lag den Daten zufolge bei 482.000 Barrel täglich.

Die zusätzliche indische Produktion könnte die weltweite Versorgung spürbar verbessern. Sie könne jedoch nicht sämtliche Dieselmengen ersetzen, die wegen der Störungen in Russland und im Nahen Osten ausfielen, warnten die Analysten.

"Wir liefern sehr große Mengen nach Europa und in einige andere Regionen, doch das reicht immer noch nicht aus", sagte Vasisht.

Nicht der gesamte zusätzlich produzierte Diesel wird für den Export zur Verfügung stehen. Indiens wachsender Eigenbedarf, der Betrieb der Raffinerien und die Frachtkosten werden darüber entscheiden, welche Mengen ausländische Abnehmer erreichen.

Die IEA erwartet für 2027 eine Erholung der weltweiten Raffinerieproduktion. Sie warnt jedoch davor, dass die stark gesunkenen Lagerbestände die Dieselversorgung noch weit bis ins kommende Jahr hinein angespannt halten könnten.

Ein Ausbau der Produktion allein reiche allerdings nicht aus, mahnte Sahdev. Indien benötige auch leistungsfähigere Netzwerke im Rohstoffhandel und geeignete Finanzierungsmechanismen, um das wirtschaftliche Potenzial seiner wachsenden Raffineriekapazitäten vollständig auszuschöpfen.

"Wenn Indien das nicht tut, wird jemand anderes an den indischen Kapazitäten verdienen", sagte er.

Übersetzt aus dem Englischen. Der Artikel ist am 29. Oktober 2026 zuerst auf der Webseite von RT International erschienen.

Zoya Hussain ist leitende Korrespondentin bei RT.

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Dieser Artikel wurde mithilfe von KI übersetzt.