Diplomat: Moskau hat Interesse an Dialog mit Washington, bleibt aber realistisch

Russland strebt den Aufbau von Beziehungen zu den USA an, die auf gegenseitigem Respekt und Gleichberechtigung beruhen. Dies erklärte der russische Diplomat Alexander Gussarow in einem Interview. Moskau bewahre jedoch einen nüchternen Blick auf die Dinge.

Seit Donald Trump in den USA an die Macht gekommen ist, gelingt es Moskau und Washington, einen konstruktiven und insgesamt pragmatischen Dialog aufzubauen. Alexander Gussarow, der Direktor der Nordatlantik-Abteilung im russischen Außenministerium, äußerte sich zu dem Thema in einem Gespräch mit der Zeitschrift Meschdunarodnaja Schisn (Internationales Leben).

Laut dem Diplomaten geht es dabei sowohl um den Dialog zwischen den Präsidenten als auch um den Austausch zwischen den Außenministerien beider Länder. Übrigens komme bei Kontakten nicht nur die Beilegung des Konflikts in der Ukraine zur Sprache, so Gussarow weiter.

Ihm zufolge erörterten beide Seiten auch wichtige wirtschaftliche Vorhaben sowie gemeinsame kulturell-humanitäre Projekte, die "das Potenzial haben, künftig als verbindende Elemente zwischen unseren Ländern zu fungieren".

Hierbei führte der Diplomat aus:

"Wir sind daran interessiert, gemeinsam mit unseren US-amerikanischen Kollegen genau solche Beziehungen aufzubauen, die auf Gleichberechtigung, gegenseitigem Respekt, der Berücksichtigung der jeweiligen nationalen Interessen sowie der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten basieren."

Zugleich betonte Gussarow, die Rückkehr zu einem konstruktiven Dialog bedeute nicht automatisch die Beseitigung der Probleme und der Meinungsverschiedenheiten, die sich über Jahre hinweg angesammelt hätten.

"Wir sind Realisten und verstehen sehr wohl, dass unsere Interessen in einer Reihe von Aspekten weiterhin auseinandergehen werden", erklärte Gussarow.

Moskau könne außerdem erkennen, fügte er hinzu, dass die USA darauf setzen würden, ihre Konkurrenten, zu denen gegenwärtig auch Russland zählt, aus jenen globalen Wirtschaftssektoren und Bereichen zu verdrängen, an denen sie selbst interessiert seien.

Der Sondergesandte des russischen Präsidenten, Kirill Dmitrijew, wies kürzlich darauf hin, dass es in der Amtszeit des früheren US-Präsidenten Joe Biden keine politische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern gegeben habe.

"Dies hat eine sehr gefährliche Situation geschaffen, in der die führenden Atommächte nicht miteinander kommunizieren und das Risiko eines Fehlers zu hoch ist", betonte Dmitrijew während seines Auftritts beim 19. Veroneser Eurasischen Wirtschaftsforum in Istanbul.

Mehr zum Thema ‒ Wer hat Deutschland wirklich im Griff? Rügemer widerspricht Merz