Rada-Abgeordneter Jurchischin: Russischsprachige Ukrainer sind "faktisch Verräter"

Wähernd die Verwendung der russischen Sprache in der Ukraine trotz aller repressiven Maßnahmen weiterhin populär ist, leugnet der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Meinungsfreiheit die Existenz russischsprachiger Ukrainer. Denn diese seien keine Ukrainer, sondern "faktisch Verräter", so Jaroslaw Jurchischin.

Im ukrainischen Parlament, der Werchowna Rada in Kiew, wurde ein neues Kapitel in Sachen Russophobie aufgeschlagen. Laut dem Vorsitzenden des Ausschusses für Meinungsfreiheit, Jaroslaw Jurchischin, gibt es gar keine russischsprachigen Ukrainer. Der von Vremya.ua zitierte Abgeordnete spricht in diesem Zusammenhang von "Verrätern".

"Es gibt keine russischsprachigen Ukrainer. Es gibt entweder Russen oder Ukrainer, die von den Russen einfach in ihre kulturelle Welt hineingezogen wurden und damit faktisch zu Verrätern gemacht wurden"sagte Jurchischin.

Seinen Worten zufolge wurde für die Dauer des Krieges beschlossen, alle russischen Fernsehsender abzuschalten, die Geschäftsbeziehungen mit Russland einzuschränken und den Gebrauch der russischen Sprache in so beliebten Bereichen wie der Kultur zu begrenzen. Und er fügte hinzu:

"Ich bin überzeugt, dass solche Einschränkungen – oder besser gesagt: die Förderung der Entwicklung der ukrainischen Sprache – auch in naher Zukunft und möglicherweise über einen längeren Zeitraum nach Kriegsende hinweg notwendig sein werden."

Der ehemalige Rada-Abgeordnete Igor Mosijtschuk kommentierte auf seinem Telegram-Kanal Jurchischins Aussage mit einem Verweis auf von Anti-Korruptionsbehörden veröffentlichte Abhörprotokolle, die auch Selenskijs inneren Zirkel betreffen – und in denen Russisch gesprochen wird. Er stellt die Frage in den Raum:

"Und was ist mit den zahlreichen russischsprachigen Gesprächen zwischen Vertretern der ukrainischen Behörden, (Wladimir) Selenskij und seinem Umfeld, die wir in veröffentlichten Aufnahmen gehört und in journalistischen Recherchen gesehen haben? Nach Jurchischins Logik: Wer sind sie? Russen oder 'Ukrainer, die zu Verrätern geworden sind'? Oder gilt diese erstaunliche Einstufung nur für Bürger, und wenn in den höchsten Ämtern Russisch gesprochen wird, gibt es eine ganz andere Methodik?"

Welches bizarre Ausmaß die Hatz auf alles Russische unter Machthaber Selenskij – der privat offenbar Russisch bevorzugt – inzwischen erreicht hat, zeigt der Vorfall von Anfang September, als der ukrainische Sicherheitsdienst SBU und der ukrainischen Militärgeheimdienst GUR eine Fehde öffentlich auf der Straße ausfochten.

Weil die Beteiligten während ihres auch mit Schusswaffen ausgetragenen Streits die russische Sprache nutzten, forderte die ukrainische Sprachbeauftragte Jelena Iwanowskaja eine Untersuchung. Schließlich hätten die Geheimdienstmitarbeiter "bei der Ausübung ihrer dienstlichen Pflichten eine Sprache verwendet, die nicht die Staatssprache ist." Für Amtsträger ist im öffentlichen Raum Ukrainisch vorgeschrieben.

Bereits vor einem Jahr beklagte Iwanowskaja, dass die russische Sprache in der Jugend allgegegenwärtig sei – trotz über einem Jahrzehnt der "Ukrainisierung" infolge des Maidan-Putsches 2013.  

Und während die russische Sprache in der Ukraine immer populärer wird, ist selbst im westukrainischen Lwow auf den Straßen zunehmend Russisch zu hören. So beklagte Iwanowskaja im März:

"Russischsprachige Binnenmigranten ziehen nach Lwow, und die Kinder von Lwow fangen schon an, Russisch zu sprechen – und nicht umgekehrt."

Mehr zum Thema – Die Sprachenfrage sprengt die Ukraine von innen