Die traditionsreiche Porzellanmanufaktur aus der gleichnamigen thüringischen Stadt Kahla stellt ihren Betrieb zum Jahresende 2026 ein, wie der zuständige Insolvenzverwalter am gestrigen Mittwoch gegenüber Medien bestätigte. Demnach konnte trotz vielversprechender Gespräche mit Interessenten und weiterer Suche nach potenziellen Investoren keine tragfähige Lösung für das Unternehmen gefunden werden. Für die am Ende 98 verbliebenen Beschäftigten bedeutet dies den endgültigen Verlust ihrer Arbeitsplätze.
In Kahla, südlich von Jena, wurde seit 1844 für 182 Jahre industriell Porzellan auf höchstem Niveau gefertigt. Das Unternehmen erhielt im Verlauf der Firmengeschichte dabei mehr als 100 internationale Designpreise.
Zur Zeit der DDR war die Stadt laut Firmenchronik Hauptsitz des VEB Feinkeramik, eines Verbunds aus 17 Betrieben mit insgesamt rund 18.000 Beschäftigten. Nach der Wiedervereinigung führte die Privatisierung zunächst in die Insolvenz, bevor 1994 die Kahla/Thüringen Porzellan GmbH neu gegründet wurde.
Laut MDR-Informationen erhalten alle Restmitarbeiter nach finalem Beschluss die offizielle Kündigung. Der Betrieb soll nun bis zum Jahresende "kontrolliert auslaufen", um noch bestehende Aufträge vertragsgemäß fertigzustellen.
Zuletzt hat es laut dem Insolvenzverwalter vielversprechende Verhandlungen mit einem türkischen Investor gegeben, jedoch seien auch diese Gespräche am Ende ergebnislos geblieben. Gegenüber der Bild-Zeitung lauten weitere Details:
"Leider haben die Gespräche mit zwei türkischen Investoren nicht zum erhofften Erfolg geführt. Ein Unternehmen hat bereits vor zwei Wochen abgesagt. Ein weiterer großer Porzellan-Hersteller in der Türkei war von Kahla sehr angetan. Am Ende zeigte sich trotz vieler Fürsprecher das Unternehmensgremium skeptisch."
Das Unternehmen war demnach bereits schon während der "Corona-Krise" wirtschaftlich angeschlagen gewesen. So meldete der Betrieb laut MDR "im März 2020 Insolvenz an", wobei ein gescheitertes Großprojekt zu dem nachwirkenden finanziellen Engpass führte.
Ein halbes Jahr später kaufte der aktuelle Geschäftsführer dann das Unternehmen, "das damals noch etwa 250 Mitarbeiter zählte". Zum weiteren Verlauf des Abstiegs heißt es:
"Zum 1. Januar 2023 drohte dann ein Produktionsstopp, weil sich der Gaspreis wegen des Ukraine-Kriegs versechsfacht hatte. Innerhalb weniger Wochen musste damals ein neuer Gaslieferant gefunden werden."
Laut weiteren Informationen ist das Land Thüringen demnach "frühzeitig in die Suche nach Lösungen einbezogen worden", so seien das Wirtschaftsministerium und die Staatskanzlei "fortlaufend über den Stand informiert worden". Nach Angaben des Insolvenzverwalters wurden die letzten knapp 100 Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung vor zehn Tagen über das nahende Ende ihrer Arbeitsverträge informiert.
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