Das politische Berlin forciert die eskalierende Strategie zum Thema des finalen Bruchs mit Moskau. Die deutschen Mainstreammedien überschlagen sich in den Kommentaren, hinsichtlich der gestrigen Erklärungen zweier Regierungsminister. So könne laut dem Handelsblatt "Berlins Antwort auf die Drohnenattacke nur der Anfang sein." Diverse Regierungschefs, wie auch EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, äußerten sich paralell in einer annähernd wortgleichen Reaktion auf X, bei der sich die EU- und NATO-Mitglieder "voll und ganz solidarisch mit Deutschland" präsentieren.
Nach Betrachtung diverser X-Beiträge von den Köpfen der Kiew-unterstützenden "Koalition der Willigen" ergibt sich ein soweit mehr als auffälliges Bild, aus dem sich – rein mutmaßend – schlussfolgern lässt, dass vor dem gestrigen Auftritt von Bundesaußenminister Johann Wadephul und Bundesinnenminister Alexander Dobrindt in Berlin eine informierende (Telefon-)Rücksprache des Kanzleramts mit den Kollegen erfolgt sein könnte.
So heißt es aus Brüssel seitens der – mutmaßlich – deutschen Anführerin einer "Koalition der Willigen 2.0":
"Heute Vormittag habe ich mit Bundeskanzler Merz gesprochen, um den hybriden Angriff auf den Flughafen Leipzig zu erörtern. Ich habe ihm versichert, dass die EU angesichts dieses Angriffs Russlands voll und ganz solidarisch mit Deutschland steht."
Aus Paris heißt es wenige Stunden später:
"Diese hybriden Angriffe nehmen in Europa zu. Sie dürfen nicht unbeantwortet bleiben. Frankreich steht voll und ganz an der Seite Deutschlands und unterstützt die Verhängung neuer europäischer Sanktionen gegen Russland."
Am frühen Abend meldete sich bereits das Social-Media-Team aus dem italienischen Regierungssitz in Rom:
"Italien bekundet nach dem russischen Hybridangriff in Leipzig seine uneingeschränkte Solidarität mit Deutschland."
Und wenig überraschend: Auch NATO-Generalssekretär Mark Rutte möchte sich der "Koalition" einer russophoben Gemeinschaft anschließen, um mitzuteilen:
"Ich habe gerade mit Bundeskanzler Friedrich Merz gesprochen. Die NATO bekundet ihre uneingeschränkte Solidarität mit Deutschland nach dem russischen Hybridangriff in Leipzig am 4. August."
Aus dem Nachbarland lautet die Wiener Variante der ausgesprochenen Solidarität:
"Österreich bekundet nach dem russischen Hybridangriff auf den Flughafen Leipzig seine uneingeschränkte Solidarität mit den Freunden und Partnern in Deutschland."
Der polnische Regierungschef Karol Nawrocki wollte sich indessen nicht der auffälligen X-Koalition anschließen, und ebensowenig Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babiš, der belgische Premierminister Bart De Wever oder der britische Regierungschef Andy Burnham. Eher überraschend beteiligte sich jedoch der zuletzt seitens Washingtons stark attackierte spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez:
"Der russische Hybridangriff auf den Flughafen Leipzig im August ist inakzeptabel, und Spanien steht uneingeschränkt hinter Deutschland."
Final erklärte exemplarisch der finnische Kollege von Friedrich Merz, Alexander Stubb, wie auch die Kollegen aus Lettland, Schweden und Kanada, dass das Land "voll und ganz hinter seinem Verbündeten Deutschland steht", um erweitert mitzuteilen:
"Wir kennen die russische Strategie. Sie zielt darauf ab, uns einzuschüchtern und unsere Entschlossenheit sowie unsere Bereitschaft zu untergraben, die Ukraine bei ihrer Verteidigung gegen die russische Invasion zu unterstützen. Das wird nicht gelingen."
Die n-tv-Redaktion erklärte nach den gestrigen Mitteilungen aus dem BMI in Berlin, dass die Bundesregierung sich "auf sachliche und fast schon zurückhaltende Weise" präsentiert hätte.
Die Spiegel-Kollegen fragen hinter der Bezahlschranke: "Berlin schlägt zurück – aber hart genug?", um den Lesern zu erklären, dass Friedrich Merz "droht, vollstrecken müssen andere", damit gemeint die beiden Bundesminister, die sich "dabei nicht so richtig wohl fühl[t]en."
Die ARD-Tagesschau erklärt, dass Deutschland Russland "als Drahtzieher des Anschlagsversuchs benennt, ohne sich provozieren zu lassen." Die Bundesregierung hätte damit "einen Balanceakt geschafft", da laut Wahrnehmung der Redaktion "eine Demokratie andere Waffen nutzt."
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