Einer Studie des Parteienforschers Oskar Niedermayer zufolge steht das deutsche Parteiensystem vor einem drastischen Wandel. Zumindest, wenn man die Mitgliederentwicklung betrachtet. Der X-Account Wahlrecht.de hat die Ergebnisse Niedermayers in einer Tabelle zusammengefasst. Demnach mussten vor allem die einst großen Volksparteien CDU und SPD einen erheblichen Mitgliederschwund verkraften.
Die Christdemokraten haben im Jahr 2025 rund 2,04 Prozent Mitgliederverlust erlitten: von 364.202 auf 356.769 Mitglieder; ein Minus von 7433 Personen. Das ist ein signifikanter Unterschied zum Vorjahr, in dem es noch eine leicht positive Mitgliederentwicklung gegeben hatte. Die bayerische Schwesterpartei CSU konnte hingegen ihre Mitgliederzahl von rund 125.000 Parteimitgliedern halten und sogar einen leichten Mitgliederzuwachs verbuchen.
Düster schaut es bei der SPD aus: Sie verlor im Gesamtjahr 8665 Mitglieder und stand zum Jahresende 2025 bei 348.451 Genossen. Ein Minus von 2,43 Prozent, das die Negativ-Entwicklung von Minus 2,21 Prozent im Vorjahr noch einmal getoppt hat.
Bild-Informationen zufolge liegt der Mitgliederschwund der beiden einst großen Volksparteien CDU und SPD daran, dass ihnen die Mitglieder wegsterben. Ein großer Teil des Mitgliederverlustes geht auf das Konto von Todesfällen, weil beide Parteien überaltert sind (Durchschnittsalter 61 beziehungsweise 62 Jahre). Gleichzeitig treten nicht genügend jüngere Leute ein, um die Todesfälle auszugleichen. Nach Angaben der CDU machen Sterbefälle rund 40 Prozent des Mitgliederrückgangs aus. Ähnlich verhält es sich bei der SPD.
Bei der FDP hingegen liegt das Durchschnittsalter der Mitglieder bei 48 Jahren. Die liberale Partei hatte durch die Beitrittswelle in den 2000er Jahren eine deutliche Verjüngungskur erfahren. Seitdem die FDP allerdings nicht mehr im Bundestag sitzt und nur noch in sechs Landesparlamenten vertreten ist, sinken die Mitgliedszahlen rapide. Hatte die FDP zum Jahreswechsel 2023/2024 noch 71.817 Mitglieder, waren es zum Jahreswechsel 2024/2025 nur noch 67.412 Personen, ein Minus von 6,13 Prozent. Und auch im Jahr 2025 ging die Mitgliederanzahl zurück, auf 64.781 Ende Dezember 2025.
Dabei haben die Deutschen keineswegs die Lust daran verloren, sich in einer Partei zu engagieren. Die großen Gewinner des Jahres 2025 (wie auch schon des Vorjahres 2024) waren das Bündnis 90/Die Grünen, die AfD und die Linkspartei. Die Grünen hatten im Jahr 2025 einen Mitgliederzulauf von 18,33 Prozent und umfassten Ende des Jahres 183.761 Personen. Die AfD konnte die Anzahl um 42,69 Prozent auf nunmehr 73.249 Mitglieder steigern. Spitzenreiter dieser Entwicklung sind die Linken, denen es 2025 gelang, ihre Mitgliederzahl um fast 112 Prozent auf 123.558 Personen zu erhöhen.
In allen drei Parteien ist die Mitgliedschaft erheblich jünger als bei CDU und SPD. AfD-Mitglieder sind im Durchschnitt 54 Jahre alt, Grüne haben ein Durchschnittsalter von 49 Jahren; die jüngste im Bundestag vertretene Partei sind die Linken mit durchschnittlich 39 Jahren. Den Informationen zufolge, die Parteienforscher Niedermayer der Wochenzeitung Die Zeit zur Verfügung stellte, treten den Grünen und den Linken vor allem Frauen bei.
Die Linken konnten zwar in allen sechzehn Bundesländern neue Mitglieder gewinnen, im Westen der Bundesrepublik sind die Wachstumsraten allerdings deutlich höher, was daran liegen könnte, dass die früher als Ost-Partei eingeschätzte Linke dort einen Nachholbedarf hatte. Umgekehrt verhält es sich bei der AfD: Auch sie wächst in allen Bundesländern, besonders stark aber im Ostteil der Bundesrepublik.
Die Anzahl der Mitglieder sagt zwar per se noch nichts über die Wahlergebnisse einer Partei aus, da die Anzahl der Wähler die der Mitglieder meist deutlich übersteigt. Aktive Mitglieder sind jedoch für jede Partei von Bedeutung, da sie im Wahlkampf etwa an Infoständen oder beim Flyern ihre Partei repräsentieren. Eine Überalterung oder gar ein Mitgliederschwund können sich in solchen Situationen schmerzhaft bemerkbar machen.
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