Drohender Gasmangel: Bundesnetzagentur appelliert an Gashändler

Die deutschen Gasvorräte sind niedriger als in den Vorjahren. Grund ist eine Kaufzurückhaltung der Großhändler angesichts verteuerter Gaspreise. Nun richtet die Bundesnetzagentur einen Appell an die Gasversorger, um einen Gasmangel im Winter zu verhindern.

Der Füllstand der Gasspeicher in Deutschland liegt Mitte August 2026 bei unter 50 Prozent und damit deutlich unter den Werten der Vorjahre. Geopolitische Spannungen wie der Konflikt um die Straße von Hormus machen das Gas teuer, so dass sich die Großhändler mit dem Einkauf zurückhalten. Bald beginnt die Heizsaison, und auch die Mainstream-Medien äußern zunehmend Bedenken, dass die deutschen Vorräte im Falle eines harten Winters nicht ausreichen könnten.

Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur und früherer Grünen-Politiker, richtet nun einen Appell an die Gasversorger. Sie sollten ihrer Verantwortung für eine ausreichende Versorgung im Winter nachkommen und genügend Gas einspeichern. Dies berichtet das Nachrichtenportal t-online.

Es sei auf dem Weltmarkt ausreichend Gas verfügbar, erklärte Müller t-online zufolge. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Gashändler im Winter seinen Kunden erklären wolle, kein Gas liefern zu können, weil er nicht hinlänglich eingekauft habe. Damit deutete Müller erstmals an, dass es in diesem Winterhalbjahr in Deutschland zu einer Gasmangellage kommen könnte.

Gleichwohl stellt sich Müller weiterhin hinter die Entscheidung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE), keine Einspeicherungen anzuordnen, wie dies andere europäische Länder tun. So gab es etwa im Juni in den Niederlanden eine staatliche Anweisung zur Befüllung der Gasspeicher. Und Italien zahlt den Gasunternehmen eine Prämie, wenn sie Gas frühzeitig erwerben und einspeichern.

Eine solche Vorgehensweise lehnt der Präsident der deutschen Bundesnetzagentur ab und verweist auf die Eigenverantwortung der Gasanbieter:

"Uns wurde im Frühjahr versprochen, dass vorgesorgt wird. Die Verantwortung liegt bei den Gashändlern, man sollte sie auch nicht aus dieser Verantwortung entlassen."

Im Gegenteil erschwere die Gas-Subventionierung anderer Länder die Lage in Deutschland noch zusätzlich.

Der Grund für diese Zurückhaltung: Die Bundesregierung scheut die Kosten, die mit dieser Maßnahme verbunden sind. Erst im Januar hatte sie die sogenannte Gasspeicherumlage abgeschafft, die die Verbraucher belastete. Eine staatlich angeordnete Einspeicherung würde daher auf den Bundeshaushalt zurückfallen. Zudem könnte das Bekanntwerden eines staatlichen Eingreifens die Preise noch zusätzlich erhöhen, sodass der Gaspreis für Deutschland noch teurer würde.

Man setzt stattdessen auf eine Entspannung der Lage am Persischen Golf und damit auf einen Rückgang der Gaspreise. Gemäß Table.Briefings verwies eine BMWE-Sprecherin des Weiteren auf die Versorgung mit Flüssigerdgas, das über die neu errichteten LNG-Terminals in Deutschland ankomme.

Diese sind in der Berechnung der angestrebten Speicherfüllstände allerdings schon eingeplant, so Table.Briefings. Eine kürzfristige Erhöhung der LNG-Lieferungen oder auch der Gaslieferungen aus Norwegen dürfte nicht realistisch sein. Sollten die LNG-Terminals oder die norwegische Pipeline aus irgendeinem Grund wegfallen und der kommende Winter kälter werden als sonst, könnte es bis zum Ausklang der Frostperiode knapp mit dem Gas werden.

Bereits in der Vorwoche hatte Sebastian Heinermann vom Verband der Gasspeicherbetreiber Ines gegenüber t-online vor einer Gasmangellage in diesem Winter gewarnt. Deutschland steuere auf erhebliche Risiken in der Gasversorgung zu. Im schlimmsten Fall stehe die Bundesnetzagentur in der Verantwortung "behördlich über die Zuteilung knapper Mengen entscheiden, um die Versorgung von Haushaltskunden abzusichern." Im Klartext: Die Bundesnetzagentur müsste dann eine Rationierung einführen.

Für die Gasanbieter würde sich derzeit eine Gaseinspeicherung neben den gestiegenen Einkaufspreisen auch wegen der hohen Bürokratiekosten nicht lohnen, so Heinermann. Als man noch billiges Gas aus Russland importieren konnte, habe sich die Einspeicherung noch rentiert. Das sei nun weggefallen.

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