EU-Kommissar pocht auf Drosselung des Energieverbrauchs

Geht es nach EU-Energiekommissar Dan Jørgensen, könnten die Lichter in europäischen Städten bald wieder früher ausgehen. Denn das Sparen bei öffentlicher Beleuchtung gehört zu den Sparmaßnahmen, die der dänische EU-Politiker den Einzelstaaten vorschlägt, um eine Energiepreiskrise zu verhindern.

Einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben zufolge warnt die EU-Kommission die EU-Mitgliedsstaaten vor einer drohenden Energiepreiskrise. Demnach verfasste der EU-Kommissar für Energie Dan Jørgensen ein an die Energieminister der EU-Länder gerichtetes Schreiben, zu dem sich die EU-Kommission bisher jedoch nicht gegenüber der Presse äußern wollte.

Laut Jørgensen steht die Europäische Union aufgrund der Folgen des Iran-Krieges vor einer Preiskrise im Energiesektor. Die immer wieder aufflammenden Kampfhandlungen am Persischen Golf sowie die Blockade der Straße von Hormus führen zu massiven Transportengpässen und Unsicherheiten bei den Lieferketten, was wiederum erhebliche Preissteigerungen im Handel mit den Rohstoffen Erdöl und Erdgas zur Folge hatte. Auch das Vordringen der Huthi am Roten Meer trägt zum Preisanstieg bei.

Zugleich sind die Gasspeicher in der EU auf historischen Tiefstständen. Im EU-Durchschnitt sind sie zu knapp 70 Prozent gefüllt, in der Bundesrepublik Deutschland beträgt der Füllstand sogar lediglich 57 Prozent. Das Erreichen des EU-Ziels, die Speicher bis zum Winteranbruch auf 90 Prozent anzufüllen, wird damit illusorisch.

Angesichts dieser geopolitischen Lage fordert der Energiekommissar die Mitgliedsländer dazu auf, eine Drosselung der Energienachfrage in Erwägung zu ziehen. Die EU stehe vor einer Preiskrise, so Jørgensen, die mit einer Versorgungskrise zusammenhänge. Man sei zwar nun besser vorbereitet, als es vor einigen Jahren der Fall gewesen sei, dennoch müssten die Regierungen ihre Vorbereitungen für den kommenden Winter intensivieren.

Reuters zitierte aus dem Brief Jørgensens die folgende Aufforderung: "Ich bitte Sie, Maßnahmen in Betracht zu ziehen oder fortzusetzen, mit denen die Einlagerung (von Erdgas) durchgeführt oder der Gas- und Strombedarf so lange wie nötig gesenkt werden kann."

Zu den von Jørgensen vorgeschlagenen Sparmaßnahmen gehören die Reduzierung der Heiztemperatur in öffentlichen Gebäuden, der Verzicht auf Außenheizungen sowie das Abschalten unnötiger öffentlicher Beleuchtung.

Diese Vorschläge wecken Erinnerungen an den Herbst und den Winter 2022. Damals hatte die Bundesregierung mit ihrer Energiesparverordnung das Anstrahlen von Denkmälern und Gebäuden verboten. Ebenso hatten Händler Leuchtreklamen von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens nicht anstellen und Privatleute ihre Swimmingpools generell nicht beheizen dürfen. Für öffentliche Arbeitsstätten war eine Höchsttemperatur von 19 Grad festgesetzt und warmes Wasser zum Händewaschen abgestellt worden.

Manche Kommunen gingen sogar noch weiter und übertrugen diese Maßnahmen auch auf die Schulen. Viele Gemeinden schalten zudem für die Zeit nach Mitternacht bis zu den frühen Morgenstunden ihre Straßenlaternen aus – eine Maßnahme, die mittlerweile teilweise wieder rückgängig gemacht wurde, weil sie dem Sicherheitsgefühl vieler Bürger zuwiderlief. Nehmen die EU-Staaten Jørgensens Warnungen ernst, könnte es indes bald wieder zu verfrühten Laternenabschaltungen kommen.

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