China im Visier: Brüssel prüft Saturn-Übernahmepläne

Im Vorjahr wurde bekannt, dass die Mehrheit der Muttergesellschaft der Handelskette MediaMarkt und Saturn von dem chinesischen Internetunternehmen JD.com übernommen wurde. Laut einer Mitteilung aus Brüssel hat die EU-Kommission nun eine "eingehende Untersuchung zu drittstaatlichen Subventionen" in Bezug auf die Übernahme eingeleitet.

Das chinesische Internetunternehmen und Betreiber der gleichnamigen Online-Handelsplattform JD.com erwirkte im Vorjahr den Mehrheitsbesitz bei der deutschen "Ceconomy AG", der Muttergesellschaft des international agierenden Elektronikhändlers MediaMarktSaturn. Die Europäische Kommission äußerte in einer aktuellen Mitteilung "vorläufige Bedenken", dass das chinesische Unternehmen "möglicherweise drittstaatliche Subventionen erhalten hat". 

Das Unternehmen JD.com ist laut Brancheninformationen eine sogenannte Holding mit Sitz auf den Kaimaninseln, die vor allem in China im E-Commerce und in der Logistik marktführend aktiv ist. Im September 2025 wurde bekannt, dass die Branchengröße die Übernahme von Europas größtem Elektronikfachhändler MediaMarktSaturn plant. Die Europäische Kommission hat laut der Mitteilung nach einer ersten Untersuchung "vorläufige Bedenken" geäußert und will den Vorgang nun genauer prüfen. Ihre Zustimmung ist eine der Voraussetzungen für den anvisierten Eigentümerwechsel.

In ihrer Mitteilung erläutert die Kommission, dass JD.com den Teil einer Unternehmensgruppe darstellt, die international im Einzelhandel tätig ist und einen Marktplatz für elektronischen Handel in China betreibt. Die Bedenken zu der geplanten Übernahme der europäischen Konkurrenz lauten wie folgt:

"Die Vorprüfung ergab, dass JD.com möglicherweise drittstaatliche Subventionen erhalten hat, die den EU-Binnenmarkt verzerren. Dazu gehören Finanzierungen zu Vorzugsbedingungen, Steueranreize und Zuschüsse, die von Akteuren gewährt wurden bzw. werden, die möglicherweise der Volksrepublik China zuzurechnen sind."

Laut einem Artikel des Handelsblatts erklärte JD.com zu der Ankündigung aus Brüssel, dass das Unternehmen "eine vertiefte Prüfung als einen üblichen Verfahrensschritt für eine Transaktion dieser Größe ansieht". Im Zusammenhang mit der getätigten Transaktion habe es demnach "keine staatlichen Subventionen erhalten", die zu einer Wettbewerbsverzerrung in der EU führen könnten. Man stehe daher weiterhin "in engem und konstruktivem Austausch" mit der Europäischen Kommission im Rahmen des laufenden Prüfverfahrens.

Kai-Ulrich Deissner, CEO von Ceconomy, erklärte im Vorjahr zu der geplanten Übernahme, dass "mit den herausragenden Technologie-, Logistik- und Handelskompetenzen von JD.com wir unseren erfolgreichen Wachstumskurs nochmal forcieren und über unsere aktuellen strategischen Ziele hinauswachsen können".

Die Überprüfungen wurden laut EU-Mitteilung am 17. April 2026 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet. Nun muss die Kommission innerhalb von 90 Arbeitstagen, "also spätestens am 2. Oktober 2026, einen Beschluss erlassen".

Im Ergebnis könnte die Kommission die Übernahme entweder ganz verbieten, Auflagen erteilen oder grünes Licht geben. Branchenbeobachter interpretieren die EU-Mitteilung als mögliches Indiz dafür, dass Brüssel gegenüber China forciert eine aggressivere Haltung einnimmt. Laut dem Manager Magazin wäre die Ankündigung "der erste Fall, in dem eine chinesische Übernahme Gegenstand einer detaillierten Untersuchung gemäß den EU-Vorschriften für ausländische Subventionen ist".

Unter den Ceconomy-Marken MediaMarkt und Saturn werden aktuell europaweit mehr als 1.000 Geschäfte betrieben.

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