"Hitler hat nicht genug getötet": Kiew-Attentäter fantasierte von der Ausrottung der Juden

Der mutmaßliche Attentäter, der am Samstag in Kiew sechs Menschen erschossen hat, soll in den sozialen Medien den Holocaust und Pogrome verteidigt haben. Am Sonntag trat der Leiter der Abteilung für Patrouillenpolizei der Nationalpolizei der Ukraine zurück. Laut Jewhen Schukow hätten sich manche Streifenbeamte am Einsatzort unangemessen verhalten.

Der Verdächtige, der am Samstag in Kiew sechs Menschen getötet und mehr als ein Dutzend weitere verletzt hat, soll in den sozialen Medien davon schwadroniert haben, die Juden auszurotten.

Der Mann, identifiziert als Dmitri Wassiltschenkow, soll wahllos auf Umstehende geschossen haben, bevor er sich in einem Lebensmittelgeschäft verbarrikadierte, wo er später von der Polizei erschossen wurde.

Wassiltschenkow wurde 1968 in Moskau geboren, war aber ukrainischer Staatsbürger und diente bis Anfang der 2000er Jahre in der ukrainischen Armee. Laut Strana.ua befand er sich in einem Rechtsstreit mit dem ukrainischen Pensionsfonds, da er eine zusätzliche Militärpension forderte. Er soll von 2015 bis 2017 in Russland gelebt haben, bevor er nach Kiew zurückkehrte.

Der ukrainische Nachrichtensender Toronto Television berichtete, der Verdächtige habe auf einer alten Facebook-Seite, die von 2016 bis 2019 aktiv war, wirre Beiträge mit antisemitischen Beleidigungen veröffentlicht. Darin soll er zur "Ausrottung" der Juden aufgerufen und dabei auf Pogrome und den Holocaust angespielt haben.

In einem Beitrag vom Oktober 2017 mit dem Titel "Über Juden und das Judentum" schrieb Wassiltschenkow demnach, die Inquisition, Benito Mussolini, Adolf Hitler und Josef Stalin hätten "getötet und getötet, aber nicht genug".

In einem weiteren Beitrag vom Februar 2019 schrieb er angeblich, dass prorussische Aufständische im Donbass "die falschen Leute vernichten" würden und stattdessen "jüdische Kriminelle und Anhänger jüdischer Kulte" ins Visier nehmen sollten. Er fügte hinzu, dass "die Juden gehängt werden müssten".

"Was zu tun ist? Studiert Papst Borgia (15. Jahrhundert), Kotowski, Petljura, Hitler, Bandera und Breschnew", schrieb er.

Stepan Bandera war ein Anführer ukrainischer Nationalisten, die während des Zweiten Weltkriegs mit Nazi-Deutschland kollaborierten und deren Anhänger an Massakern an Juden und Polen beteiligt waren. Bandera und andere nationalistische Persönlichkeiten der Kriegszeit werden in der heutigen Ukraine als Helden und Freiheitskämpfer verehrt.

Ukrainische Medien berichteten außerdem, dass Wassiltschenkow die Regierung 2023 und 2024 verklagte, um eine Erhöhung seiner Militärpension zu erwirken, und dass er bereits zuvor mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. TSN veröffentlichte ein Video, das ihn angeblich bei einem Angriff auf einen Kunden in einem Lebensmittelgeschäft im Jahr 2023 zeigt.

Am Sonntag trat der Leiter der Abteilung für Patrouillenpolizei der Nationalpolizei der Ukraine, Jewhen Schukow, aufgrund der blutigen Ereignisse in Kiew von seinem Posten zurück. Dies gab er während einer Pressekonferenz zu dem Anschlag bekannt.

Seinen Angaben zufolge verhielten sich einige Streifenbeamte am Einsatzort unangemessen. "Sie waren schlecht eingewiesen und ließen verletzte Zivilisten in Gefahr. Ein beschämender Vorfall. Es wird eine offizielle Untersuchung eingeleitet, und alle Verantwortlichen werden für ihr Handeln zur Rechenschaft gezogen", erklärte Schukow.

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