Irak hat vor dem Besuch des Premierministers Ali al-Zaidi in Washington nächsten Monat eine großangelegte Anti-Korruptions-Offensive gestartet. Die Razzien zielten Berichten zufolge auf den stellvertretenden Ölminister Ali Maarij ab, den die USA zuvor beschuldigt hatten, Iran zu helfen.
Elite-Einheiten der Antiterror-Bekämpfung stürmten am frühen Sonntag Häuser in der stark gesicherten Green Zone in Bagdad, wie Medienberichte unter Berufung auf Sicherheitsquellen melden. Das Gebiet beherbergt die US-Botschaft sowie andere diplomatische Vertretungen, Büros internationaler Institutionen und Wohnsitze hochrangiger Regierungsbeamter und prominenter Politiker.
Am Sonntag berichtete die irakische staatliche Nachrichtenagentur INA, dass mindestens 47 Beamte bei den Razzien festgenommen wurden. Sie veröffentlichte zudem eine Liste der Festgenommenen mit 15 Namen darauf. Darunter befand sich Maarij, der laut der Agentur wegen "Korruptionsvorwürfen" in Haft genommen wurde.
Die USA hatten im Mai Sanktionen gegen Maarij verhängt und ihn beschuldigt, irakisches Öl umzuleiten, um Iran und iranisch unterstützten irakischen Milizen zu nutzen. Er wurde zudem beschuldigt, iranische Ölexporte zu erleichtern, indem er diese mit irakischem Öl vermischte und gefälschte Dokumente verwendete. Das irakische Ölministerium wies die Vorwürfe zu diesem Zeitpunkt zurück.
Der irakische Regierungssprecher Haider al-Aboudi bestätigte am Sonntag die Anti-Korruptionskampagne und gab an, dass die Festnahmen noch andauern. Ein namentlich nicht genannter Diplomat in Bagdad teilte der Associated Free Press mit, die Razzien seien "Teil der Vorbereitungen für den Washington-Besuch" und sollten al-Zaidis Engagement für seine früheren Versprechen unterstreichen.
Der Premierminister hatte im Mai sein Amt angetreten und versprochen, gegen Korruption vorzugehen sowie das staatliche Monopol auf Waffen zu gewährleisten, unter anderem durch die Entwaffnung von vom Iran unterstützten Milizen. Die Razzien am Sonntag fielen mit dem Besuch des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi in Bagdad zusammen. Dort äußerte sich Teherans oberster Diplomat zu der Bereitschaft seines Landes, die Zusammenarbeit mit dem Nachbarland auszubauen und einer Eskalation der Spannungen in der Region vorzubeugen.
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