El Niño: Einschränkung des Schiffsverkehrs im Panama-Kanal

Im Nahen Osten sind die Wasserstraßen von Hormus und Bab al-Mandab durch kriegerische Ereignisse blockiert. Nun droht dem internationalen Schiffsverkehr auch noch eine Einschränkung auf der anderen Weltseite. Schuld ist die Wetteranomalie El Niño, die zu Niedrigwasser im Panama-Kanal führt.

Wie die Betreibergesellschaft des Panama-Kanals gestern auf ihrer Homepage bekannt gab, muss sie ab September die Anzahl der täglichen Durchfahrten reduzieren. Die Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute, etwa 80 Kilometer lange Durchfahrt auf der Landenge von Panama verbindet die Ozeane Atlantik und Pazifik miteinander und ist eine wichtige Schifffahrtsstraße.

Die staatliche Betreibergesellschaft ACP (Autoridad del Canal de Panamá) erwartet angesichts des dieses Jahr aufgetretenen Wetterphänomens El Niño weniger Niederschläge als sonst. Dadurch werden der Gatún-See und der Ajuela-See einen niedrigeren Wasserstand als sonst aufweisen, so die Prognosen. Beide künstlich angelegten Seen stellen das notwendige Wasser für die Schleusen des Kanals. Jedes Mal, wenn ein Schiff den Kanal durchfährt, fließt Süßwasser in einen der Ozeane.

Schon jetzt herrscht eine für die Jahreszeit ungewöhnliche Trockenheit. Ab September werden nun lediglich 34 Schiffe täglich, später gar nur noch 32 Schiffe durchgelassen. Zum Vergleich: Normalerweise hat der Kanal eine Kapazität von 40 Schiffen pro Tag. Die Einschränkung dürfte zu einer Verlangsamung von Lieferungen und damit zu einer Kostensteigerung im Warenverkehr führen. Bereits im Jahr 2023 hatte eine schwere Dürre auf der Landenge von Panama zu Störungen in den weltweiten Lieferketten geführt.

Verschärft wird die Lage dadurch, dass der Gatún-See auch der Versorgung der umliegenden Städte mit Süßwasser dient. Auch die Hauptstadt Panama-Stadt ist auf das Wasser dieses Stausees angewiesen. Deshalb zieht der Betreiber des Kanals jetzt die Notbremse. Offenbar reichen die bereits ergriffenen Wassersparmaßnahmen nicht mehr aus. Mit der nun ergriffenen Maßnahme will man auch für genügend Wasservorräte für die im Januar einsetzende Trockenzeit vorsorgen.

Die Betreibergesellschaft warnt auf ihrer Internetseite vor längeren Wartezeiten für Schiffe, die ohne garantierte Reservierung vor dem Kanal eintreffen. Auch weitere Einschränkungen der Schifffahrt wollen die Betreiber nicht ausschließen. Wann die jetzt erfolgten Anpassungen an die Auswirkungen von El Niño zurückgenommen werden können, steht noch nicht fest.

Das El-Niño-Phänomen tritt in unregelmäßigen Abständen in den Wasserströmungen des Pazifik auf. Durch ein Abschwächen der Passatwinde gelangt wärmeres Oberflächenwasser vor die südamerikanische Küste. Die Folge sind in manchen Regionen ungewohnt starke Regenfälle, in anderen Gebieten eine außergewöhnliche Trockenheit. Auch die Fischereiwirtschaft ist beeinträchtigt. Los Niños kommen in Abständen von zwei bis acht Jahren in unterschiedlich starker Ausprägung vor.

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